Mehr als Tinte

Als du mir gegenüber sasst

Warst du viel mehr als Tinte

Du warst das Leiden

Die erkaltete Hoffnung

Du warst der Schmerz

Der aufgegebene Traum

 

In dir tobt das wirkliche Leben

In deinen Worten toben Fassaden

Aufgesetzte Hasstiraden

Aufgebauschte Wunschgedanken

Um die sich Trug und Illusionen ranken

Als würdest du nur nach aussen hin beben

 

Als du mir in die Augen sahst

Warst du zwischen den Zeilen

Du warst die Einsamkeit

Das ermüdete Streben

Du warst die Sehnsucht

Die ausgestandene Angst

 

In dir lösen sich Gefühlslawinen

In deinen Worten lösen sich Bekenntnisse auf

Ein atemloser Staffellauf

Gehaltloses Gedröhn

In schwindelerregenden Höhn

Als wolltest du dich deiner selbst nicht bedienen

 

Als du einfach du selbst warst

Warst du jeder einzelne Laut

Du warst die Linderung

Die unbändige Lust

Du warst die Liebe

Die abgeworfene Last

 

In dir trifft das Dunkel auf Licht

In deinen Worten trifft banal auf -ität

Du sprichst von Realität

Von wirklichem Ringen

Von allen möglichen Dingen

Nur die Wahrheit, die sprichst du nicht

 

 

 

 

 

 

19 thoughts on “Mehr als Tinte

    1. Ja, das ist wahr. Nur wenige Menschen öffnen sich einem auf diese Weise, genau so wie wir selber uns auch nur wenigen Menschen so öffnen. Sein Innerstes konstant nach aussen zu tragen ist tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit, denn sonst wären wir ja selber permanent mit all unseren Ängsten und Wünschen konfrontiert und das könnte, glaube ich, niemand ertragen. Nur betrübt es mich manchmal, wenn Menschen sich plötzlich wieder von einem zurückziehen (nicht, dass ich das selbst nicht auch manchmal tue). Die Gründe dafür sind natürlich divers und legitimieren sich quasi selbst, einfach weil es sie gibt. Ich glaube, mir geht es neben der Forderung nach Aufrichtigkeit (die ganz klar da ist) auch darum, diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen, dass dann beim anderen entsteht, wenn diese Nähe, diese Aufrichtigkeit dann plötzlich wieder weg ist. Dann klammert man sich an das, was man als “Wahrheit” empfindet und möchte eben diese anerkannt sehen. Macht das Sinn?

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      1. Ich denke, ich verstehe, was Du meinst – für mich macht es Sinn.
        Mit meinen Worten: Es geht um wirkliche Liebe, die offen werden lässt aber auch verletzlich. Und aufgrund der Verletzlichkeit – genauer: der Angst davor – ziehen wir uns immer wieder auch zurück, entziehen unsere Aufmerksamkeit und Liebe. Begründungen lassen sich immer finden. Aber es ist schwer zu ertragen, wenn uns jemand seine Aufmerksamkeit und Liebe entzieht. Das zeigt uns ganz real, wie verletzlich wir tatsächlich sind…
        Ich denke, glaube, hoffe, das es möglich ist, konstant sein Innerstes nach außen zu tragen. Es wäre ein Zeichen wirklicher Liebe. Aber Du hast recht: Es würde uns mit all unseren Ängsten und Wünschen konfrontieren. Diesen Mut muss man erstmal aufbringen.
        Vielen Dank für Deine Gedanken.
        🙏💚🤗

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      2. Ja, ganz genau darum geht es, wie recht du hast. Der Text entstand übrigens aus einer realen Situation, in der, meiner Meinung nach, so viel Angst im Spiel ist, dass sie wahre Nähe unmöglich macht.

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      3. Man kann einem Menschen seine Angst nicht nehmen. Man kann ihm nur Hoffnung und Glauben bieten (auf eigene Kosten). Annehmen und sich einlassen muss aber jeder selber…
        🙏💚🤗

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      4. So ist es, ja. Man kann nur konstant da sein und bedingungslos lieben. Ob und in welcher Form diese Liebe dann angenommen wird und ob sie Ängste reduzieren kann, weiss man nicht …

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      5. Das mit der bedingungslosen Liebe ist so ein Thema (die schwerste von allen Formen der Liebe, die ich kenne).
        Wie Du richtig sagst: Man kann nur bereit sein…
        👍🙏🍀

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      6. Ja, sie birgt sehr viel Frustpotential. Bedingungslose Liebe fordert ja nicht und darf eben bedingungslos angenommen werden ohne jegliche Verpflichtung, irgendwas zurückgeben zu müssen. Natürlich wünscht man sich Gegenseitigkeit, man wird darin aber oftmals enttäuscht. Dann stellt sich einem die Frage, was man selber davon hat. Um das Selbst geht es bei der bedingungslosen Liebe aber eben nicht und das ist schwierig, weil der Mensch nunmal sehr selbstzentriert ist.

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      7. Der Eigennutz bedingungsloser Liebe für den Menschen ist einzig der Beweis, das es sie gibt. Man kann sie nur geben aber nicht wirklich (direkt) wahrnehmen. So wissen wir nur, daß es sie gibt, wenn wir bereit sind, sie zu geben bzw. zu leben. Und wir hoffen und brauchen sie alle – niemand ist unbegrenzt stark und das wissen auch wir alle (mit scheinbaren Ausnahmen…)
        😉👍🙏

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      8. Wirklich bedingungslose Liebe kann man nach meinem Verständnis gar nicht mehr wahrnehmen, auch nicht spüren. Sie ist auch nicht mehr unbedingt „menschlich“. Aber es gibt viele Arten bzw. Ebenen der Liebe.
        👍🙏🤗

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      9. Bedingungslose Liebe ist Verständnis, Achtung, Respekt, Wohlwollen, Verzeihung, Unterstützung, ein offenes Ohr, sie ist nicht nachtragend, sie ist alles in einem, und sie ist einfach immer da. Vielleicht tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit, ein Wunschgedanke …

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      10. Genau hier liegt das Problem.
        Liebe macht das Schönste und Höchste möglich, macht aber auch die tiefsten Abgründe sichtbar. Ein grundsätzliches Problem, solange wir uns in der Polarität befinden.
        👍🙏🤗

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      11. Warum sind die Abgründe denn so negativ konnotiert? Auch sie sind menschlich, auch sie zeigen, dass wir empfindsame Geschöpfe sind. Manchmal liegen Höhen und Tiefen auch sehr nahe beieinander, aus dem einen kann das andere entstehen und umgekehrt. Zudem gibt es das eine ohne das andere gar nicht. Es gibt sie nur in Relation zueinander, in ihrem Zusammenspiel quasi. Die wahrgenommene Polarität ist also eine Illusion 😉

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