Sentio ergo sum

Zum Valentinstag ein kleines Plädoyer für die Selbstliebe

Wenn dich jemand grundlegend verändern will, sogar wenn du selbst es bist, dann ist das keine Therapie, sondern Gehirnwäsche. Es ist Konditionierung, Abrichtung auf ein bestimmtes Idealbild. Ein guter Therapeut, ein aufrichtiger Freund oder ein wahrlich liebender Partner wird dich lehren, dich selber so anzunehmen wie du bist. Das heisst nicht, dass jegliches Fehlverhalten entschuldbar ist. „Ich bin halt einfach so“ ist keine Rechtfertigung dafür, andere Menschen zu verletzen. Aber wenn wir uns selber annehmen, ohne Wertung, ohne uns selber kleinzumachen, dann können wir lernen, auch mit unseren negativen Wesenszügen, den uns von Natur aus eigenen sowie den erlernten, auf gesunde Art und Weise umzugehen. Dann können wir sagen „ja, da habe ich Schwierigkeiten, aber ich liebe mich trotzdem“. Wie Erich Fromm in Die Kunst des Liebens postulierte, bedingt die Liebe zum Nächsten zu allererst die Selbstliebe. Der sorgsame Umgang mit dem eigenen Ich ist demnach eine Unabdingbarkeit, eine dringende Notwendigkeit.

Kein Schmerz, kein Trauma, keine Bitterkeit, keine Angst und kein Frust kann einfach so weggeredet werden. Man kann alles ergründen und mit dem Ergründen kommt die Erkenntnis und schliesslich auch das Verständnis. Trotzdem kann nichts, wirklich nichts, die Vergangenheit ändern. Manche Dinge sind schwer und manche Dinge tun weh. Manchmal leiden wir. Deswegen müssen wir uns nicht zusammenreissen. Wir dürfen trauern, weinen, schreien, das Lachen verweigern, die Dinge verneinen. Genauso wie wir uns freuen dürfen, wie wir Lust empfinden, wie wir leben wollen und das Morgen kaum erwarten können dürfen. Wir müssen auch nicht jeden Tag das gleiche empfinden. Wir müssen weder konstant traurig noch konstant fröhlich sein. Wir sind lebende Wesen, keine Maschinen. Das Gefühl, in all seinen Facetten, ist die Essenz des selbstbewussten, empfindsamen Seins. Sentio ergo sum. Ich fühle, also bin ich. Wer mich meines Gefühls berauben will, spricht mir damit auch mein Innerstes ab. Die Gedanken sind frei. Die Gefühle auch. Sie gehören ganz grundlegend zu uns, denn sie gründen tief in uns und begründen die Art und Weise wie wir der Welt begegnen, wie wir sie begreifen und uns selber darin verstehen.

Wenn dich jemand also grundlegend verändern will, sogar wenn du selbst es bist, dann horch in dich hinein. Was fühlst du? Liebst du dich selber? Gehst du sorgsam mit dir um?

5 thoughts on “Sentio ergo sum

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