Gegen die Stille in der Brust

Am besten gebe ich dir irgendetwas gegen die Stille in der Brust. Ich schrei dich an, zum Beispiel. Oder besser: lass uns einmal quer durch die Stadt jagen. Lass uns die Lichter um die Ohren brüllen lassen, die so aussehen, als ob jemand Sterne wie überdimensionale Motten gegen die Hauswände genagelt hätte. Lass uns uns anschreien lassen von den glücklichen Liebesromanhelden, die wie Filmfiguren an Hausfassaden lehnen und immer mit zwei Zentimeter Abstand voneinander sich selbstverloren tief in die Augen starren. Lass uns das Brüllen genießen, wenn der Regen auf uns niedergeht und sich durch die Klamotten durchfrisst. Hauptsache in die dichteste Menschenmenge. In der Nähe von Kinos, Nachtclubs, Discotheken, Kneipen, dort, wo das menschliche am dichtesten sich zusammenklumpt. Lass sie uns zerquetschen, die scharfen Kanten abschleifen, wenn sie laut lachen. Wenn sie lauter und lauter werden. Bis wir unsere eigenen Gedanken, die wir nie hatten und nie haben werden, nicht mehr verstehen können. Lass uns denken, wir wären nichts Wert, damit wir unseren eigenen Herzschlag nicht mehr spüren können, weil das Stoßen, Drängen, Schieben und Zwängen heftig genug geworden ist, um uns nur noch von außen und auf gar keinen Fall mehr von Innen spüren zu lassen.

Am besten gebe ich dir irgendetwas gegen die Stille in der Brust.

Mach den Mund auf: ich brüll dir in den Rachen hinein, dass ich dich begehre. Dann ist es aus mir raus. Und wir können uns eine stille Nische suchen, wo wir uns wiederfinden können, nachdem wir uns in der Welt verloren haben.

 

2 thoughts on “Gegen die Stille in der Brust

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