Wer sind wir? Was tun wir hier eigentlich?

Meine lieben Mitblogger

Es finden sich derzeit ziemlich viele Frage-Antwort Beiträge auf WordPress und irgendwie spricht mich dieses Format schon an, obwohl ich bisher noch bei keinem wirklich mitgemacht habe. Die folgenden vier Fragen möchte ich euch aber tatsächlich gerne stellen und würde mich über Antworten freuen, sei dies in Form von Kommentaren oder eigener Beiträge (wir dürfen unserer Kreativität hier ja freien Lauf lassen). Der Fairness halber liefere ich meine Antworten gleich mit:

1. Wann, womit, wo und wie schreibst du?

Wann: Zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Womit: Mit einem blauen Caran d’Ache Kugelschreiber in ein unliniertes Moleskin Notizheft, auf meiner 70-er Jahre Olympia Schreibmaschine oder auf meinem Laptop.

Wo: Meistens zu Hause (am Tisch, auf dem Fussboden, im Bett), oft aber auch draussen im Park, in gemütlichen Cafés oder Ähnlichem.

Wie: in der Regel mit Musik (auch zu Hause oft über Kopfhörer – gerade höre ich “Wish I Knew You” von den Revivalists), manchmal wild drauflos, manchmal überlegt, mal schnell, mal langsam, selten mit einem wirklichen Plan (obschon auch das vorkommt), fast immer alleine.

2. Welchen fünf Themen widmest du dich deiner Meinung nach am meisten in deinen Texten?

  • der Liebe
  • zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art
  • der Suche nach dem eigenen Ich
  • der Frage nach dem Sinn oder Unsinn des Lebens (persönlich neige ich zum Nihilismus)
  • Religiosität (auch hier bin ich, milde ausgedrückt, kritisch unterwegs)

Oft vermischen sich diese Themen miteinander, nicht wahr? Religiosität hat sehr viel, wenn nicht sogar ausschliesslich, mit dem Sinn des Lebens zu tun und der wiederum mit der Frage nach dem eigenen Ich, welches immer auch in Beziehungen zu anderen Personen steht, wo dann natürlich die Liebe ins Spiel kommt. Die Liebe ist für mich tatsächlich Thema Nummer 1, weil sie sowohl das grösste Glück wie auch den grössten Schmerz mit sich bringen kann. Diese Ambivalenz beschäftigt und fasziniert mich ungemein.

4. Was hat dich dazu bewegt, deine Texte hier zu veröffentlichen?

Ich war an einem schwierigen Punkt in meinem Leben angelangt. Vieles hatte sich in mir angestaut, viele Sorgen und Ängste und auch viel Schmerz und Liebeskummer. Ich musste diese Dinge schriftlich verarbeiten und loslassen. Hierzu schien mir ein Blog das perfekte Medium zu sein. Dinge aufschreiben, im Netz deponieren, auf die Reise schicken, tschüss. Es war auch eine Übung im zu-mir-selber-stehen, öffentlich, ungeschönt.

5. Warum bleibst du hier anonym oder eben nicht?

Das ist so eine Sache mit der Anonymität. Mein Blog ist mein Tagebuch so wie viele eurer Blogs eure Tagebücher sind. Sie sind persönlich, sie sind echt, sie sind ungeschönt und authentisch. Es ist schon absurd, dass man hier in der grössten Öffentlichkeit so viel von sich selbst preisgeben kann ohne sich nackt und ausgestellt zu fühlen. Ob ich mich auf dem Marktplatz hinstellen und jeden meiner hier veröffentlichten Texte auch laut vorlesen würde? Ich weiss es nicht. Ich möchte Ja sagen, aber wirklich jeden Text? Hm. Ich hätte, glaube ich, schon Angst vor den Reaktionen. Wahrscheinlich will ich mir deshalb ein bisschen Anonymität hier, in eben diesem öffentlichen Rahmen, bewahren.

Die meisten meiner Freunde und Bekannten wissen aber von meinem Blog und einige von ihnen lesen hier auch regelmässig mit (hallo an dieser Stelle!). So ganz anonym ist die Sache also nicht. Ich habe mich mit so manchem Text auch schon ziemlich in die Bredouille gebracht, muss ich sagen. Nicht immer waren die Rückmeldungen aus meinem Bekanntenkreis positiv und ich musste Leute beschwichtigen, beruhigen: “Nein, es geht nicht um dich”, “Nein, dieser Text hat keinen tieferen Sinn”, “So habe ich das nicht gemeint”, “Der Gedanke kam mir einfach so eines Morgens beim Aufstehen, keine Sorge”.

Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn ich über persönliche Erlebnisse mit anderen Menschen schreibe und ich würde niemals jemandem zu nahe treten wollen. Bei bestimmten Texten habe ich vor Veröffentlichung auch um Erlaubnis gefragt. In den meisten Fällen versuche ich das Erlebte aber soweit zu abstrahieren, dass es nur noch für mich selber und die jeweils andere Person erkannbar ist. Oft sage ich deshalb auch: “Wenn ein Text von dir handelt, dann wirst du es beim Lesen mit absoluter Sicherheit wissen oder ich werde es dir ganz einfach sagen. Wenn du dir nicht sicher bist, dann geht es ganz einfach nicht um dich”. Literatur ist häufig vom wahren Leben inspiriert, was aber nicht heisst, dass sie auch immer wahr ist. Da steckt oft auch eine gehörige Portion Fiktion drin (surprise, surprise!).

Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen, falls ich jemandem in einem oder mehreren meiner Texte doch zu nahe getreten bin. Es geschah ganz sicher nicht mit Absicht. Wenn ich über wahre Begebenheiten schreibe, dann in aller Regel nur über Leute, die mir nahe stehen, in welcher Form auch immer. Es sind Menschen, die mich berühren, die mich verändern, mich weiterbringen. Es sind Menschen, die ich liebe, auch wenn Liebe, wie oben erwähnt, oft mit Schmerz einhergeht.

Das ist das eine Problem mit der nicht-so-ganz-Anonymität. Dann kommt es auch manchmal vor, dass ich eine/n Bekannte/n beim Einkaufen oder auf der Strasse treffe, wir zum obligaten Smalltalk stehen bleiben, es dann heisst “ich lese übrigens deinen Blog” und ich mir erschrocken denke “oh Gott, ja, der ist ja öffentlich und ich hab ganz vergessen, dass DU den auch lesen kannst!”. Sowas gibt es. Dann heisst es ganz einfach, dazu zu stehen, denn das war ja die Idee des Ganzen, nicht wahr? Zu mir selber zu stehen, zu meinen Gefühlen und meinen Gedanken. Sie sind es schliesslich, die mich ausmachen. Bisher halte ich es also so halb anonym, eigentlich nicht und irgendwie doch. Komisch, ist aber so 😉


 

Dies sind meine vier Fragen an euch und ich freue mich auf eure Antworten.

29 thoughts on “Wer sind wir? Was tun wir hier eigentlich?

  1. Hallo Härzenswort,
    dass sich momentan hier viele Blogger ein wenig aus der Transparenz herauswagen, gefällt mir sehr gut, denn das lässt die Gestalter hinter ihren Werken ein wenig Gesicht bekommen, ich kann mir ein Bild machen. An dieser Stelle: Danke für die Idee!
    Ich selber schreibe mir hier bereits seit über neun Jahren – mal mehr und mal weniger fleißig – je nach Gusto und Stimmung die Seele aus dem Körper und habe erst durch die ‘Vorstellungsbeiträge’ und die Re-Aktionen darauf wirklich real wahrgenommen, dass hier LEBEN existiert – was mich aber sehr freut, denn ich mag nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern auch den Austausch darüber.
    Da ich jetzt gleich zur Arbeit muss, werde ich ‘später’, wenn es die Zeit zulässt mal schriftlich darüber nachdenken, wer ich so bin und warum. 🙂
    In diesem Sinne liebe Grüße Bea

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  2. Liebe Härzenswort,

    Jetzt habe ich gerade ein wenig Zeit und habe mich nochmal mit deinem Beitrag inklusive der 4 Fragen näher befasst. Meiner Meinung nach sind die Fragen fast alle auf meiner Seite ‚about‘ bereits beantwortet. Daher werde ich keinen eigenen Beitrag dazu schreiben, sondern füge hier noch ein paar fehlenden Infos ein:
    Zu 1) Ebenso wie du schreibe ich zu jeder Tages- und Nachtzeit und dann an meinem Laptop – am liebsten in der Küche! Musik habe ich beim Schreiben eher selten an, weil ich sie während ich schreibe eh nicht wahrnehme und ich 2. oft einfach die Ruhe genieße, die mir am Tag fehlt.
    Zu 2) Das kann ich so nicht sagen – es ist wie es ist immer das, was mich gerade beschäftigt.
    Zu 3) (deine 4) Es ist so eine Mischung aus ‚Von der Seele schreiben‘ bis hin zu ‚Was ich dringend mitteilen ,- bzw. noch sagen wollte‘. Apropos, dazu fällt mir eine für mich passende Redewendung ein: ‚Geteiltes Leid ist halbes Leid & geteilte Freude ist doppelte Freude‘. 🙂
    Zu 4) (deine 5) siehe unter ‚about‘

    So – ich hoffe, nicht nur de[ine]n Erwartungen gerecht geworden, – sondern das Bild von mir noch ein wenig deutlicher ‚gezeichnet‘ zu haben. 😊

    Liebe Grüße Bea

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    1. Ja, danke dir! Ich finde es spannend, dass wir im Grundsatz alle das selbe machen (uns Dinge von der Seele schreiben), dabei aber unterschiedlich funktionieren. Mir ist es ohne Musik zu still. Klar, wenn ich mich konzentrieren muss, mach ich sie aus, aber sonst muss da was gehen, am besten auch laut 😉

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      1. Gerne 🙂
        Ich denke, deshalb toben wir kreativen Köpfe uns auch HIER aus und nicht auf dem Sportplatz oder im Fitnessstudio.
        Und die Musik? Wäre zu schade wenn sie läuft, denn ich würde sie beim Schreiben nicht wahrnehmen, weil ich mit den Gedanken dann sehr weit weg bin! Allerdings kann Musik mich im Vorfeld dazu motivieren, zu schreiben.
        Bei meinem Beitrag ‘Hausaufgabe’ war das zum Beispiel der Fall…. 🙂

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  3. Danke für deine Fragen, ich habe mir vor kurzem ähnliche gestellt.

    1) Ich schreibe entweder auf irgendeinen Zettel oder mache mir ein Memo im Handy, wenn jch gerade unterwegs bin. Sollte ich Musik hören, dann nur instrumental.. 🙂

    2) jetzt hab ich dir nr glaube ich vermischt… egal! Ich schreibe auch viel über die Liebe, aber zum Teil auch über Dinge, die ich beobachte, an mir, an andern, im Beruf oder im Alltag… ich finde einen Gedanken weiterzuspinnen spannend.

    3) Geschrieben hab ich schon immer und alle Texte in einen Ordner oder in ein Wordfile. Ab und zu hab ich mal was für Freunde geschrieben.. ähnlich wie du war ich in einer Umbruchphase in meinem Leben, als der Blog mir in den Sinn kam. Zum einen versuche ich, diese neuen Einflüsse zu verarbeiten, zum anderen probiere ich gerade viele neue Dinge aus, die mich hoffentlich weiterbringen.

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  4. … Versuch 2:
    Leider ist mein wunderbares Handy gestern abgestürzt, so dass ich nicht fertig geschrieben habe 😉 Es lebe die digitale Welt!

    Zu der Anonymität geht es mir ebenfalls wie dir, ich vergesse oft, dass ich Freunden und Bekannten ab und zu mal den link gegeben habe, und wundere mich danach oft, wenn sie sich auf den einen oder anderen Post beziehen. Auf den Marktplatz würde ich mich nicht stellen mit meinen Beiträgen, aber die, die ich öffentlich mache, zu denen stehe ich. Für alle anderen nutze ich die “privat” Funktion – und manchmal fühle ich mich 1-2 Tage/ Wochen/ Monate später bereit, sie öffentlich zu machen, da das Thema nicht mehr so nahe an mir ist.

    Ich danke dir jedenfalls für deine Anregungen und für deine Gefühle und Gedanken, die du in Worte fasst. Anonym oder nicht, sie berühren.

    LG Cara

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    1. Ja, das kenne ich! Manchmal muss man ein wenig Abstand zum eigenen Material gewinnen, um dann dazu stehen zu können. Danke dir ganz herzlich für deine Antworten! Es fasziniert mich sehr, wie wir hier immer wieder Gleichgesinnte treffen und wie wohlwollend die Community hier ist! 😛

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  5. Ich schreibe schon immer, seit fünfzehn Jahren auch im Netz. Erst bei AOL, dann bei Blogigo und jetzt hier. Im Augenblick übertrage ich all meine Blogigo-Texte hierher, weil Blogigo nicht mehr Blogigo ist. Diese Texte beschäftigen sich mit allem, was du angesprochen hast, und sie sprechen für sich und für mich und mit mir und mit dir. Wenn du es möchtest. Grüße

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  6. Liebendes Härzenswort

    Bei Punkt drei verweise ich auf Punkt eins

    Und ein Nihilismus der den Sinn des Lebens
    In der Liebe als erste Kraft und Qualität anführt
    Hat sich alsogleich in Determinismus verwandelt

    Der Unsinn verpassten Lebens
    Ist schlichtweg die Weigerung zu lieben

    Und weil im Universum alles zu uns zurückkehrt
    Was wir entäußern so ist die Verneinung
    Nur die trotzige Bejaung ebendieses…

    Dankend
    Dir Joaquim von Herzen

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  7. wahr

    Nein Recht habe ich nicht
    Sonst setzte ich Dich ins Unrecht
    Auch lebe ich in keinem Rechtsstaat
    Doch bin ich ein Anwalt kindlicher Direktheit

    Lieben ist feiner als Wasser
    Zarter denn Luft
    Selbst der Äther ist nicht dünn

    Alles entdeckend alle Geheimnisse offenbaren
    Um dann nackt in der Wirklichkeit Ihres Lichts
    Heilung zu erfahren ja Sie selbst verstehn

    Danke Deiner Offenheit
    Dir Joaquim von Herzen

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    1. Des einen Recht bedeutet ja nicht zwingend des anderen Unrecht. So schwarz-weiss ist die Welt nicht.

      Die Geheimnisse, die wir im Laufe des Lebens entdecken und, so wir wollen, einander offenbaren, leuchten in allen Farben der Natur.

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  8. Liebe Härzenswort

    Ein bisschen verspätet sende ich Dir gerne auch noch ein paar Antworten.

    1) Ich kritzle immer erst in einem Notizheft rum. Leider hat das Heft Häuschen oder Linien – ich hätte lieber ein weißes Blatt. Aber beim Bürobedarf gab es das nicht und mir fehlte die Zeit, beim Architekturbedarf vorbei zu schauen. Mein nächstes Heft wird hoffentlich blütenweiß.
    Die Reinschrift erfolgt dann an einem Laptop auf meinem Sofa sitzend. Danach warte ich oft ein paar Tage und redigiere den Text noch ein paar mal. Dabei bin ich selber oft zu ungeduldig und veröffentliche zu früh.
    Interessanterweise fällt es mir im Winter und Frühjahr einfacher, etwas zu verfassen als im Herbst.

    2) Vermutlich ist das meiste eine Art Selbstportrait. Allerdings schreibe ich bewusst in der oft als veraltet geltenden Form mit starrem Versmaß und Endreimen, da ich dann einiges nicht schreiben kann und öfter mal was erfinden muss. Das macht es für mich selbst spannender. Um die Textform zu rechtfertigen habe ich mir ein entsprechendes Pseudonym zugelegt.
    Es kam schon vor, dass mir beim Aufwachen ein Satz durch den Kopf donnerte und ich ihn dann verarbeitet habe, obwohl der eher wenig mit mir zu tun hat, z. B. «ich wär so gern ein Nacktmodell».
    Für meinen Geschmack sind mir meine Texte oft zu trist. Ich hoffe, mir gelingt es in Zukunft öfters wieder amüsant zu schreiben.

    3) Ein bisschen als Ansporn, dass ich mir bei den Texten Mühe gebe. Dann freut es mich natürlich, wenn jemand positiv auf meine Texte reagiert. Aber ich arbeite nicht mit dem Ziel, viele Follower zu finden. Ich schreibe die Texte, weil ich sie schreiben mag und nicht, weil sie gelesen werden sollen.

    4) Anfänglich hatte ich Angst, ich würde zu schnell wieder mit schreiben aufhören und in diesem Fall wollte ich mich nicht bei Bekannten rechtfertigen müssen. Inzwischen halte ich es für besser, dass eine Internetsuche nach meinem bürgerlichen Namen nicht meine Verse liefert.

    Liebe Grüße, P. E.

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    1. Wow, danke für deine Antworten! Ist ja spannend, das du die Jahreszeiten spürst beim Schreiben und das mit dem “veralteten” Versmass geht mir auch so. Ich mag die guten, alten Endreime und eine klare Form 😊

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